mit Milch und Zucker

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Max Hammel - Goodbye Österreich

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Wenn du in Köln unterwegs bist, schau doch mal beim Schauspiel Köln vorbei. Die erwähnte Homepage findest du unter schauspiel.koeln Weitere Folgen mit Max: 2021: Meine Welt durch die Augen einer Videokamera 2024: Wie lebt es sich ohne Social Media?

2024: 6 Jahre mit Milch und Zucker

Unter @diekoernerinschreibt nimmt Christiane dich mit regelmäßigen Kurzgeschichten und Gedankentexten auf zwei Reisen gleichzeitig mit. Einen Roadtrip quer durch die USA und ihren persönlichen Weg zur Autorin. Folge jetzt @diekoernerinschreibt und lies mit.

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(08:19) Es ist verwirrend, vor allem für Österreicher, dass man in Köln 0,2er Bier trinkt. (08:23) Kölsch ist krass charmant und besticht einen, sodass man sich denkt: Ein Kölsch geht immer. (08:38) Man hat das Gefühl, man hat riesige Hände, weil ein Kölschglas so klein ist. (08:55) Für mich ist immer der erste Kaffee, wenn man bei einer Reise ankommt, magic. (11:08) Es ist irgendwie interessant, weil man sich so gefühlt vorneweg denkt: Was kann daran so schwer sein? (11:48) Ich habe schon ein bisschen unterschätzt, wie heftig es trotzdem ist, in ein anderes Land zu ziehen. (11:53) Auch wenn es nur Deutschland ist, wo man das Gefühl hat, es gibt so viele Basics, die man eh kennt, man kennt so halbwegs die Kultur und man kennt so halbwegs die Sprache, aber es war dann doch einfach ein Ritt. (12:46) Man hat so überhaupt keine Habits, die man jetzt irgendwie so automatisiert in der neuen Stadt machen kann. (12:51) Man muss sich irgendwie so am Anfang alles neu erarbeiten. (13:24) Man hat am Anfang das Gefühl, alles ist irgendwie Effort. (13:36) Es ist der krasse Kontrast für mich, von Österreich nach Paris zu gehen, zu von Österreich nach Deutschland zu gehen, weil ich jeden Scheiß ChatGPT gefragt habe. (15:43) Ich habe mir richtig versucht, auf die Finger zu klopfen, dass ich nicht andauernd alles vergleiche. (15:59) Es ist am Anfang alles stellvertretend für das ganze Land und die ganze Kultur und die ganze Gesellschaft. (16:07) Ich habe mir am Anfang richtig vornehmen müssen, beim Vergleich zumindest nur Köln mit Wien und nicht Deutschland mit Österreich zu vergleichen. (16:16) Es war schon am Anfang im Kopf: "Oida, die Deutschen". (16:55) Wenn ich Leuten Köln erkläre, sage ich immer, es ist für mich wirklich so ein bisschen ein Anti-Wien. (17:03) Köln hat eine Infrastruktur, die überhaupt nicht funktioniert, und Köln hat gleichzeitig eine Menschlichkeit, die extrem gut funktioniert. (17:31) Ich habe das Glück gehabt, in Köln kommst du an und alle sind scheißefreundlich und nett zu dir, wirklich die weirdesten Erlebnisse. (18:39) Köln ist wirklich eine superherzliche Stadt, aber umgekehrt, im Vergleich zu Wien, muss man echt drauf klarkommen, dass du dich auf die Infrastruktur nicht verlassen kannst, aber auf die Leute dafür umso mehr. (18:59) Die Stadt ist kaputt, aber irgendwie macht man es sich so schön, wie es geht. (19:47) Ich weiß, dass ich in Köln angekommen bin, weil bei mir so seit einem Monat ab und zu so ein bisschen Heimweh kommt. (19:56) Das Heimweh kommt ein bisschen daher, dass sich Köln normalisiert hat und ich zum ersten Mal wieder ein bisschen über die Heimat nachdenke. (20:18) Dieses Ankommen bewirkt plötzlich, dass ich zum ersten Mal so in solchen Momenten denke: Jetzt kann ich den und den Freund nicht sehen. (20:44) Spazierengehen ist meine Medizin für alles. (21:35) Heimweh macht für mich zumindest so was aus wie Selbstverständnis. (22:11) Mein erstes richtig großes Heimweh war, wie ich Besuch von so einer Partie Wiener gekriegt habe und gemerkt habe, dass der Humor ganz anders funktioniert. (22:40) Es wäre bescheuert, wenn man nie Heimweh hätte. (23:14) Ich glaube auch, wenn ich jemals nach Wien zurückkomme, dass man auch Wien oder Österreich ganz anders schätzt. (23:45) Ich glaube, dass Wien für mich irgendwie immer schon so eine Heimat war. (24:58) Wir haben am Volkstheater weitergedacht mit der Videoabteilung und haben gesagt, wir wollen ein künstlerisches Video-Department, wo die Videokünstler und -künstlerinnen aus dem Theater kommen und alles eine Handschrift trägt. (25:49) Nach fünf Jahren Videodepartment habe ich eine Pause davon gebraucht. (28:26) Dieses Bürojobige hat einfach seine ganz anderen Qualitäten, die super spannend sein können. (28:49) Ich hatte das noch nie in meinem Leben, dass man einfach sagen kann: Das, was ich bis 18, 19 Uhr nicht geschafft habe, arbeite ich am nächsten Tag weiter. (30:37) Ich merke auch jetzt erst, wie viel kreative Energie man daraus schöpfen kann, dass man einfach wirklich eine bewusst gesetzte Pause hat. (32:31) Als angestellter Videokünstler habe ich plötzlich das, was ich eigentlich immer so mit Freude gemacht habe, mit einer Deadline machen müssen, und das hat keinen Spaß mehr gemacht. (33:06) Was man oft unterschätzt, auch selber, finde ich, ist, dass du, wenn du etwas Künstlerisches machst, dass du auf irgendeine Art und Weise in die Realität umsetzt, was du in der Welt siehst. Du realisierst was raus in die Welt, was ein bisschen aus deiner Seele kommt, und wenn das Werk kritisiert wird, tut es sehr weh. (34:12) Es fühlt sich für mich nicht so an, als hätte ich den Job im Volkstheater aufgegeben. Ich habe das Gefühl, es war eine lustige Station im Leben, aber ich habe genug davon. (34:45) In meinem neuen Beruf habe ich viel mehr Verantwortung für andere Leute. (36:06) Du bist im Marketing jemand, der das Geschenkpapier vom Weihnachtsgeschenk macht. (38:07) Ein Ding, das da ganz viel mit mithilft, dass ich mich mit meinem Team so gut verstehe, ist, dass Kölner an sich einfach super aufgeschlossene, offene Menschen sind, die dich erstmal mit einer Umarmung empfangen. (38:25) Kölner sind erstmal interessiert, was du machst, und sie quatschen extrem viel, aber dabei sehr wenig Smalltalk. (39:37) Ich glaube, dass wenn du deine eigene Kunst irgendwie auf die Welt bringen willst, dass man sich keinen Gefallen tut, wenn man sich zu schnell davon abhängig macht, dass es irgendwie funktionieren muss. (40:46) Kreativität ist eher ein Muskel, den man einfach aktivieren kann und die ganze Zeit wieder aktiviert und dem man wie einem Muskel auch Pausen geben muss, damit er keinen Muskelkater kriegt. (41:00) Kreativität an sich ist eher Training, dass man einfach sich diesen kindlichen Geist beibehält und einfach ganz locker wird im Kopf. (42:01) Ich glaube, dass Leute Marketing mit Sales verwechseln. (43:06) Es ist Teil von meinem Job, auch mit zu überlegen: Wie sieht eigentlich das Theater aus, in das man reingeht? (43:20) Die Theaterbühne ist mein Inhalt, mein Produkt, mein Ding, um das es geht. Das muss ich in- und auswendig kennen. (43:32) Ich muss im besten Falle die Texte kennen, die da besprochen werden, und aus dem heraus entwickelt man eine Idee, wie eigentlich die Welt drumherum aussieht, wie das Geschenkpapier um dieses Theaterstück aussieht, das man irgendwie auspackt, bevor man da reingeht. (43:54) Für mich ist das eine totale inhaltliche Arbeit. (45:14) Ich liebe es, mich daran festzubeißen, was Cooles zu erschaffen. (47:07) Die Wiener Seele fehlt mir manchmal, dieser morbide, lustige, todessehnsüchtige Humor. (48:47) Ich finde den Karneval in Köln erstaunlich anders, als ich ihn mir vorgestellt habe, weil bei mir Karneval irgendwo zwischen Ballermann und Oktoberfest abgespeichert war. (49:13) Karneval ist auch etwas mega Politisches, und ich habe mich noch nie irgendwo unter besoffenen Leuten so beschützt und wohlgefühlt wie in Köln am Karneval. (49:30) Kölner Karneval hat extrem viel damit zu tun: Wir halten jetzt zusammen, wir stellen uns gemeinsam auf die Straße, die Straße gehört uns. (49:39) In der Südstadt, da, wo ich wohne in Köln, sind überall so Banner gehangen mit: „Hier ist kein Platz für Rassismus“. (50:47) Ich war noch nie in einer Stadt außerhalb Italiens, in der man so sehr das Gefühl hat, die Leute, denen gehört einfach die Straße. (50:57) Sobald die Sonne scheint, stehen alle irgendwo draußen, trinken ein Bier. (51:55) Es ist wie leben und leben lassen, und die Einstellung ist so: Nervt uns nicht mit Auflagen bei irgendwelchen Feiern, und nerven wir euch nicht damit, dass die Straße kaputt ist. (54:06) Köln hat das richtig im Herzen, diese Kultur, dass Leute kommen und gehen, dass man sich Hallo und Tschüss sagt. (54:16) Wenn du zum Beispiel in Köln abends in eine Bar gehst, ist es da nicht so üblich, dass du an einem Einzeltisch irgendwo am Rand sitzt, sondern man knödelt sich immer zusammen, aber ohne, dass die Leute einander am Nerv gehen. (54:55) Die Stadt begegnet der Kunst auf jeden Fall zuallererst mit Neugier. (56:10) Wenn du was probieren willst, findest du in Köln aufgeschlossene Leute. (58:03) Ich träume manchmal immer noch davon, dass ich irgendwann einmal ein bisschen in Japan leben darf. (58:28) Mir geht es jetzt schon so, dass ich, wenn ich ab und zu zurück bin in Österreich, immer denke: Bist du deppert, so ein halber Liter Bier ist schon viel. (1:00:58) Ich habe gemerkt, wie wenig Facetten ich von der deutschen Kultur kenne.


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Über diesen Podcast

Wir alle kennen Menschen die uns auf die eine oder andere Art beeindrucken. Menschen die eine Geschichte haben die erzählt werden muss. Manchmal ist sie lustig, manchmal traurig oder tragisch. Oft erkennen wir uns in anderen Geschichten wieder oder können etwas daraus lernen. Meistens aber bringen sie uns zum Nachdenken.

Wir wollen Menschen Raum geben, von sich zu erzählen und ihre Geschichte zu teilen.

Und alles beginnt bei Kaffee und Kuchen und mit der Frage:

Mit Milch und Zucker?

von und mit Christiane Hurnaus, Brenda Annerl

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