Martin Wurzenrainer - Vom Integrationshaus lernen
Mehr zum Wiener Integrationshaus findest du unter** integrationshaus.at ** Unterstützen kann man das Integrationshaus auf verschiedenen Wegen. Mehr zu Spendenmöglichkeiten findest du hier. Alles zur freiwilligen Mitarbeit kannst du hier **nachlesen. Socken, Hauben und Starterpakete findest du im Webshop. Dort gibt es auch das Buch zum 30-jährigen Jubiläum "Flüchten-Ankommen-Bleiben". Der berühmte Flüchtlingsball **findet am 17. April 2027 im Wiener Rathaus statt. Karten gibt es im Vorverkauf auf oeticket, Wienticket und in Bank Austria Filialen.
Alles Weitere erfahrt ihr unter www.mitmilchundzucker.at auf Facebook @mitmilchuzucker oder Instagram @mit.milch.und.zucker. Brenda findet ihr unter @brendaannerl und Christiane unter @diekoernerinschreibt
(06:12) Mein Alltag ist eigentlich, dass ich den ganzen Tag Besprechungen habe. (08:16) Integrationsarbeit zu leisten, heißt zuerst einmal, ein bisschen wegzuhören von dem, was politisch unter Integration verstanden wird. (09:25) Die Politik hat den Begriff Integration weggenommen und sehr negativ konnotiert. (09:31) Es geht selten um die gelingende Integration, sondern darum, warum sich Menschen nicht integrieren und welche Sanktionen ich mir überlegen muss. (10:23) Wir betreuen nicht nur Menschen, die gerade nach Österreich gekommen sind, sondern wir versuchen auch, Ausbildungs- und Bildungsangebote zu setzen. (11:17) Wir arbeiten fast ausschließlich mit selbst erstellten Materialien entlang der formulierten Bedürfnisse der TeilnehmerInnen in den Kursen. (12:36) Wir versuchen, so zu arbeiten, die Leute an ihren Bedürfnissen abzuholen, und sei das jetzt in der Betreuung oder in den Bildungsangeboten, in den Beratungsangeboten. (12:53) Wir wollen Menschen nicht entmündigen, sondern sie wirklich versuchen dabei zu unterstützen, die Dinge selbst erledigen zu können, selbst zu formulieren, was sie brauchen. (13:49) Was aktuell das aller-, aller-, allerschwierigste Thema ist, ist leistbarer Wohnraum. (18:31) Die meisten Menschen haben ihre Heimatländer verlassen, weil es dort unmöglich ist zu leben, und nicht, weil sie glauben, dass es in Österreich so leiwand ist. (18:50) Afghanen kommen nicht nach Österreich, weil hier das Schlaraffenland ist, sondern weil Frauen in Afghanistan einfach definitiv nicht leben können. (21:05) Integration beginnt mit der Begegnung. (21:15) Wenn ich keine Existenzsicherung habe, kann ich nicht einmal den Gedanken hegen, mich integrieren zu wollen, weil ich eine Gesellschaft wahrnehme, die mich nicht will. (21:40) Wir arbeiten mit freiwilligen, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die uns dabei unterstützen, was wir nicht durch Angebote selber produzieren können, nämlich Menschen begegnen zu können. (22:03) Mir sind so lange Menschen fremd, bis ich sie kenne, dann sind sie mir nicht mehr fremd. (23:30) Wenn sich zwei Menschen zusammensetzen, passiert etwas Neues, es entsteht etwas Neues. (25:11) Wir suchen laufend freiwillige Kolleginnen, freiwillige Mitarbeiterinnen, die uns ihre Zeit spenden. (26:34) Ich habe gelernt, das eigene Handeln regelmäßig zu reflektieren und zu hinterfragen. (26:44) Vielleicht kann man von mir lernen, dass es jedem Menschen guttut, wenn er in der Reflexion begleitet wird. (28:15) Vielleicht kann man von mir lernen: Supervision, professionelle Begleitung und Unterstützung in der sozialen Arbeit ist absolut notwendig. (31:30) Diese sichtbaren Ergebnisse der eigenen Arbeit und Menschen einfach unterstützen zu können, ein Stück des Weges begleiten zu können, das ist schon ziemlich lässig. (31:43) Die Integrationspolitik und diese Fremdenfeindlichkeit zermürben tagtäglich extrem. (33:36) Wir versuchen dann, unsere Meinung oder unsere Haltung mit politischen Entscheidungsträgerinnen auszutauschen. (34:55) Die Idee der Gründung des Integrationshauses war: Wir zeigen der Republik Österreich, wie man geflüchtete Menschen korrekt betreut. (35:48) Wir haben Menschenrechte, wir haben ein Grundgesetz. Also wir haben ja gesetzliche Rahmenbedingungen, die zum Glück nicht der Politik folgen, wie es der eine oder andere Politiker gerne hätte. (36:40) Ich bin stolz auf die Kolleginnen, die vor allem in der Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen und der Betreuung von schwer traumatisierten Menschen eine wahnsinnig hohe Expertise aufgebaut haben, die tatsächlich auch in andere Betreuungseinrichtungen dann eingeflossen ist. (37:32) Wir haben aus jedem Bedürfnis der ersten Bewohnerinnen des Integrationshauses im Endeffekt einen Fachbereich gemacht. (41:04) Es wäre wichtig, die Leute dabei zu unterstützen, dass sie gut Fuß fassen können. (41:29) Wir alle, die hier Maßnahmen anbieten für Menschen, die zugewandert sind, machen das spendenfinanziert. (41:38) Die Integrationsministerin überlegt sich Sanktionen, wenn Leute ein Angebot nicht wahrnehmen, das es halt blöderweise gar nicht gibt. (41:48) Ich würde gerne mitgeben: Machen wir mal ein Angebot und dann überlegen wir uns, was wären Sanktionen, wenn das Angebot nicht wahrgenommen wird? (42:39) Machen wir was, was den Menschenrechten gerecht wird, und verwenden nicht sinnlos die Zeit, darüber zu diskutieren, wie man Menschenrechte aushöhlen kann. (44:21) Wenn ich mir etwas für die Zukunft wünschen würde, wäre es, dass Menschen legale Möglichkeiten bekommen, vor Bedrohungen zu flüchten und in Sicherheit aufgenommen zu werden. (47:23) Ich glaube, dass es das Integrationshaus immer brauchen wird. (50:40) Integration ab Tag eins würde heißen: Es ist selbstverständlich, dass es hier die Möglichkeit gibt, Deutschkurse zu besuchen.
Kommentare
Neuer Kommentar