mit Milch und Zucker

mit Milch und Zucker

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Intro: Do you remember things we have done together talk about being so free.

00:00:16: Christiane: Willkommen bei mit Milch und Zucker, wo wir mit Menschen Kaffee trinken, damit ihr sie kennenlernen könnt. Willkommen zurück bei mit Milch und Zucker. Neue Woche, neue Folge. Mein Name ist Christiane und auch diesmal im Suchfenster über mir. Wie immer die Brenda. Hallo. Hallo. Gut. Es war alles gut im Sumpf. Der unter uns ist unser heutiger Gast. Und zwar ist das heute Martin Wurzenrainer vom Integrationshaus. Hallo. Hallo. Hallo. Hallo. Wir freuen uns sehr, dass du da bist. Die Brenda hat dich ja schon einmal persönlich gesehen. Wir sehen uns jetzt über Zoom zum Ersten Mal. Aber damit die Hörerinnen und Hörer sich auch was vorstellen können von dir und wer du bist und was du machst, erkläre ich das mal kurz, warum wir dich heute eingeladen haben zu uns. Du bist gebürtiger Oberösterreicher. Sage ich normalerweise nicht dazu, aber ich wohne mittlerweile in Oberösterreich und deswegen sage ich das dazu. Das ursprünglich deutsche Philologie und Philosophie studiert, außerdem Psychologie, also deutsche Philologie, Philosophie und Psychologie und Pädagogik auch noch in Wien, ist aber seit über fünf und zwanzig Jahren im Integrationshaus mittlerweile tätig, hat dort angefangen als Lehrer für Deutsch als Zweitsprache, bis dann als Leiter des Bildungsbereichs dort aufgestanden und mittlerweile bist du fachlicher Geschäftsführer seit zwei tausend ein und zwanzig. Das Ganze machst du in einer Art Doppel Leitungsteam neben Susanne Lettner, die auch Geschäftsführerin ist. Und damit ist mein Part der Vorstellung schon wieder vorbei. Denn was das Integrationshaus ist und worüber wir heute mit dir reden wollen, das erklärt jetzt die Brände.

00:01:52: Brenda: Danke schön. Das Thema haben wir uns überlegt. Vom Integrationshaus lernen, wie wir gemeinsam ein gutes Zusammenleben gestalten. Das Wiener Integrationshaus unterstützt seit über dreißig Jahren geflüchtete Menschen dabei, anzukommen, neue Perspektiven zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Es bietet Unterkunft, psychosoziale Betreuung, rechtliche Beratung und Bildungsangebote und begleitet Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf. Dabei stehen die Menschen mit ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Hoffnungen im Mittelpunkt. In Medien und Politik hören wir ziemlich regelmäßig, dass Integration nicht funktioniert oder nicht funktioniert hat und dass alles schwierig und ein Problem ist. Doch wir wollen darüber sprechen, was Integration wirklich bedeutet und wie es in der Praxis aussieht. Wir wollen mit dir über deine Erfahrungen aus der täglichen Arbeit des Integrationshauses sprechen. Was bedeutet Integration für die Menschen, die, die hier leben, Für jene, die neu ankommen, und für jene, die schon lange hier zu Hause sind? Was gelingt? Wo krankt es im System? Und was können wir aus den Erfahrungen des Integrationshauses lernen? Und wie können wir mit jeder, jede Person von uns ein Teil des Miteinanders werden, in dem Menschen einander kennenlernen, unterstützen und eine gemeinsame Zukunft gestalten. Wie immer fangen wir an mit den Questions und Christiane hat die erste.

00:03:03: Christiane: Bist du bereit?

00:03:04: Brenda: Ja.

00:03:04: Christiane: Hotel oder Zelt? Hotel?

00:03:07: Brenda: Reden oder zuhören?

00:03:09: Martin: Ich sollte zuhören, aber reden.

00:03:11: Christiane: Welcher Ort hat dich überrascht?

00:03:14: Brenda: Was ist der beste Geruch?

00:03:15: Martin: Frischgekochtes Essen.

00:03:18: Christiane: Wenn du einen Feiertag erfinden könntest, wofür wäre er?

00:03:21: Martin: Für die gelungene Integration.

00:03:23: Brenda: Welches Lied darf auf keiner Liste fehlen?

00:03:25: Martin: Norbert von Ostbahn. Kurti.

00:03:27: Christiane: Danke sagen möchte ich.

00:03:29: Martin: Meinem Team im Integrationshaus für Ihre tägliche Arbeit, die Sie leisten.

00:03:32: Brenda: Und wie trinkst du deinen Kaffee.

00:03:34: Martin: Mit Milch ohne Zucker?

00:03:41: Christiane: Perfekt. Questions to go Gemeistert. Mit Milch ohne Zucker ist, glaube ich, die Antwort, die wir am häufigsten haben.

00:03:48: Martin: Oder möchtest du Figuren bewusst mittlerweile gesundheitsbewusst, Außer ich trinken Schwarz mit Zucker. Aber das ist eher selten.

00:03:56: Christiane: Dazu passend stelle ich dir mal gleich unsere erste Große mit Milch und Zucker Frage. Damit wir auch ganz schnell ins Thema kommen Was ist oder war denn der beste Kaffee, den du getrunken hast? Weil ich kann mir vorstellen, dass in deiner Tätigkeit trinkt man recht viel Kaffee. Aber es geht ja oft nicht darum, wie er geschmeckt hat, sondern wo man den getrunken hat oder mit wem er getrunken hat.

00:04:14: Martin: Der beste Kaffee ist der tägliche Kaffee in der Früh zum Frühstück, jeden Tag der beste. Und den mache ich mir aber zu Hause mit so einer italienischen Mokka Maschine. Und der zweitbeste ist dann der Kaffee in der Arbeit, wenn ich angekommen bin.

00:04:29: Brenda: Da haben wir schon ein bisschen Privileg, dass wir kurz vorher geplaudert haben und du uns erzählt hast, welchen Kaffee in der Arbeit habt. Und das wäre jetzt spannend.

00:04:36: Martin: Ja, wir haben schon seit vielen Jahren von EZA den Organico Kaffee. Das ist ein mexikanischer ein hundert Prozent Arabica Kaffee. Den trinke ich dann in der Arbeit. Zu Hause trinke ich auch den. Oder auch von EZA aus Äthiopien, aber der ist halt sehr teuer, aber auch sehr gut. Also ich trinke gerne hocharomatischen, voll aromatischen Kaffee, viel und stark.

00:05:02: Christiane: Wisst ihr, der fachliche Geschäftsführer des Integrationshaus, was kann man sich darunter vorstellen? Also wie schaut so ein Detail aus, nachdem du ins Büro gekommen bist, deinen Kaffee getrunken hast und dann geht es los.

00:05:14: Martin: Wie langweilig, glaube ich, Wenn man, also wenn man. Also ich komme eigentlich aus der. Aus der operativen Arbeit, das neun und neunzig im IAS begonnen, wie du schon gesagt hast, als deutsche Trainer mit Deutsch als Zweitsprache. Ich bin fachlicher Geschäftsführer aus einem Impuls heraus geworden, weil ich wollte niemand anderen Vorgesetzten haben als meine damalige Chefin, die Andrea Eraslan weniger. Und es war völlig klar Wenn ich mich für diesen Job nicht bewerbe, dann bekomme ich eine andere Vorgesetzte. Also musste ich mich bewerben und ich wurde es dann auch. Und man als fachlicher Geschäftsführer hat man mit allen unseren Fachbereichen sozusagen mit diesen Herausforderungen und Fragestellungen. Wir haben fünf Fachbereiche im Integrationshaus. Ich komme aus dem Fachbereich Bildung. Das ist der Fachbereich, den ich am besten kenne. Wir haben den Fachbereich Betreuung, Fachbereich Beratung, Fachbereich Soziale Pädagogik, Sozialpädagogik, wo wir mit Kindern und Jugendlichen in WGs arbeiten. Also mein Alltag ist eigentlich, dass ich den ganzen Tag Besprechungen habe. Und wenn nicht mit den Leitungen aus diesen Fachbereichen, den Kolleginnen, die sie leiten, dann vielleicht mit externen Partnerinnen. Wir haben auch einen sehr intensiven Austausch auf Geschäftsführungsebene, wienweit soziale Einrichtungen im Flüchtlingsbereich von Wien, weil wir hier schon seit Jahrzehnten wissen, dass man nicht alleine die Arbeit leistet, sondern immer nur gemeinsam. Und natürlich sind wir ein Stück weit konkurrierende Institutionen. Aber wir haben mehr das Gemeinsame als das Konkurrieren im Blick. Also das sind. Eigentlich sitze ich die ganze Zeit in irgendwelchen Besprechungen. Sie lachen, aber es ist total spannend, weil ich ja immer wenig to dos mitnehme, weil dann am Ende der Besprechungen die Kolleginnen, die mit mir in Besprechungen sitzen, dann etwas tun müssen. Ich halt auch, aber meistens weniger als die Kolleginnen, weil ich ja dann schon in der nächsten Besprechung sitze. Meine Kinder, ich habe vier Kinder und die haben mich das auch schon, als sie klein waren. Jetzt sind sie erwachsen, gefragt, was ich den ganzen Tag so tun. Wie gesagt, eigentlich reden. Also irgendwie mit unterschiedlichen Konstellationen, mit verschiedenen Menschen reden. Ich sollte da auch zuhören. Ich höre auch. Ich versuche auch immer sehr aktiv zuzuhören, aber im Endeffekt rede ich dann hauptsächlich.

00:07:31: Brenda: Aber das Schöne ist, Beim Reden kommen die Leute zusammen. Ja, und das ist auch das Wichtige. Ich habe das also wie man sich vorbereitet haben auf die Folge. Heute habe ich das total spannend gefunden, darüber nachzudenken, das ja meistens über Integration gesprochen wird. Es wird ja immer gesprochen darüber, wer sich jetzt zu integrieren hat. Nie wird erklärt, was das heißt.

00:07:50: Martin: Und selten dürfen die Leute, die es betrifft, darüber reden.

00:07:52: Brenda: Und ich habe öfters Diskussionen mit Freunden von mir, dass zum Beispiel Ich habe auch einen Migrationshintergrund, nämlich einen englischen. Und mir wird überhaupt nie verlangt, dass ich mich integriere. Es wird gar nicht verlangt deswegen. Vielleicht kannst du uns mal ein bisschen mitnehmen, wie das bei euch aussieht. Also fünf Fachbereiche. Was das heißt für euch Integrationsarbeit zu leisten und was wir davon lernen können.

00:08:15: Martin: Vor allem Integrationsarbeit zu leisten, heißt zuerst einmal, ein bisschen wegzuhören von dem, was politisch unter Integration verstanden wird. Weil da ist es eigentlich mehr so ein bisschen das Gegenteil von Integrationsinstrument. Also was kann ich politisch tun, dass so wenig Menschen nach Österreich kommen wie möglich, damit sich die Leute nicht integrieren müssen? Was kann ich tun politisch, wenn Leute sich tatsächlich integrieren, doch wieder etwas zu finden, um sagen zu können. Du bist doch nicht integriert. Das sage ich aber in der Regel natürlich nur bei den Zuwanderern und Zuwandererinnen, die ich nicht will. Menschen, die aus englischsprachigen Ländern kommen, aus dem globalen Norden, will ich. Menschen, die aus englischsprachigen Ländern kommen, aus dem globalen Süden, will ich nicht. Ich ist da eher so der politische Entscheidungsträger, die politische Entscheidungsträgerin im Integrationshaus, weil wir das Wort im Namen tragen. Auch da hat sich in den letzten dreißig Jahren sicher einiges verändert. Und vor dreißig Jahren war es noch ein Selbstverständnis, sich Integrationshaus zu nennen. Aber ihr könnt mir glauben, wir diskutieren schon seit vielen Jahren unseren Namen, weil halt die Politik diesen Begriff weggenommen hat und sehr negativ konnotiert hat, weil er ja, es geht selten um die gelingende Integration, sondern warum sich Menschen nicht integrieren und welche Sanktionen ich mir überlegen muss. Wir haben eigentlich keine Integrationsministerin, sondern eine Sanktionsministerin Und das finde ich sehr schade, weil da wird viel mehr drinstecken. Gut, die Menschen, mit denen wir arbeiten, haben Bedürfnisse, die formulieren sie auch. Und meine Kolleginnen sind tatsächlich viel besser im Zuhören als ich. Wahrscheinlich. Und hören ja auch zu. In den Betreuungsprojekten hören Sie den Klientinnen oder den Menschen, die bei uns im Haus leben, weil sie noch im Asylverfahren sind. Hören Sie zu. Und aus diesem Zuhören entstehen die Angebote, die die Menschen brauchen, um hier gut Fuß fassen zu können. Und das ist sehr individuell auch unterschiedlich. Und wir versuchen dann auch im Bildungsbereich, das ist unser ganzheitlicher Ansatz, dass wir nicht nur ein Ding tun. Also wir betreuen nicht nur Menschen, die gerade nach Österreich gekommen ist, sondern wir versuchen auch, Ausbildungs und Bildungsangebote zu setzen. Und das ist nicht der klassische Deutsch als Zweitsprache Kurs, weil das ist auch etwas, was es zum Beispiel alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern nur dann wahrnehmen können, wenn sie wissen, dass ihre Kinder gut versorgt sind. Während der Zeit, wo sie in den Kurs gehen und gut versorgt ist. Nicht, dass sie alleine zu Hause im Topf sind, sondern dass sie, dass es eine Kinderbetreuung gibt, dass dort auch Kinderbetreuerinnen arbeiten, die die Kinder nicht nur verwahren, sondern die ganz aktiv mit den Kindern arbeiten. Und das tun wir. Und dann können die Frauen bei uns in einen Kurs gehen und die Kinder sind in der Kinderbetreuung. Und es ist nicht mehr verwenden. Kein Lehrwerk, kein Buch, wo sich irgendwer relativ abstrakt überlegt hat, was man im ersten Kapitel, im zweiten, dritten und vierten Kapitel unterrichten soll, sondern wir arbeiten fast ausschließlich mit selbsterstellten Materialien entlang der formulierten Bedürfnisse der Teilnehmerinnen in den Kursen. Das ist vielleicht auch etwas Spezielles. Ich habe ja selber sehr lang unterrichtet und ich habe auch sehr lange Jugendliche unterrichtet, da eben als noch viel mehr unbegleitete Minderjährige hier waren. Momentan sind ja gar nicht so viele hier und die haben von von von mir erwartet, dass ich sie dabei, vor allem die jungen Burschen, dass ich sie dabei unterstützt, dass sie auch Kontakte knüpfen können, also junge Frauen kennenlernen können. Da hab ich gesagt, ich bin schon relativ lang verheiratet, Ich bin überhaupt nicht so kreativ. Aber wie macht ihr denn das so? Also, was macht ihr, wenn ihr fortgeht? Wie? Wie, wie, wie quatscht ihr so junge Frauen an? Naja, so und so und so, da haben sie mir so verschiedene Ideen gebracht, was sie so tun. Ich sagte Wunderbar, das trainieren wir jetzt im Unterricht. Ich habe das auf Zettel geschrieben und sie mussten dann so einen Zettel ziehen und diesen ersten Satz sagen und dann ein Gespräch weiterführen. Und die Hausaufgabe war Am Wochenende ausprobieren, was funktioniert am besten? Und am Montag mussten Sie dann berichten, welcher Spruch. Das klingt jetzt arg, oder? Aber welcher Spruch am besten funktioniert hat? Ja, so, so meine ich. Das ist jetzt so ein Beispiel. Bei jungen Menschen, so versuchen wir zu arbeiten. Die Leute an ihren Bedürfnissen abzuholen, und sei das jetzt in der Betreuung oder in den Bildungsangeboten und Beratungsangeboten. Also mit dem Menschen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, sie also nicht zu entmündigen, sondern sie wirklich versuchen dabei zu unterstützen, die Dinge selbst erledigen zu können, selbst zu formulieren, was sie brauchen. Und natürlich gibt es oft das Angebot nicht, das sie brauchen. Aber dann eben kommt meine Rolle als Geschäftsführer dann eben mit Entscheidungsträgern in der Stadt Wien zusammen zu treten und zu sagen Wir nehmen wahr, dass die Menschen, die zugewandert sind, dieses und jenes brauchen. Gebt uns das Geld, wir setzen es um. Und das ist dann wiederum die, wo ich viel reden muss, weil man dann Überzeugungsarbeit leisten muss, dass hier die MH17 oder der RAF oder andere zuständige Stellen uns Geld geben, damit wir das tun können.

00:13:34: Christiane: Dass ich Bedürfnisse im Laufe der Zeit ändern, das ist sowieso klar. Aber kommen manche? Also irgendwie kann man das festmachen, welche, was gerade mehr gebraucht wird, was weniger gebraucht wird, was wahrscheinlich wiederkommen wird, was gebraucht wird.

00:13:49: Martin: Also was aktuell das aller, aller, aller schwierigste Thema ist. Und das ist nicht nur auf Wien bezogen, aber wir wirken halt nur in Wien ist leistbarer Wohnraum. Also dass Menschen bei uns immer noch jetzt im Integrationshaus wohnen oder in von uns angemieteten Wohnungen mobil betreut wohnen, hat oft nur dem geschuldet, dass es unmöglich ist, leistbaren Wohnraum zu finden. Wenn Sie Arbeit finden und einen Arbeitsmarktzugang haben, das ist ja auch, also das ist ein bisschen komplexer. Und so manche dürfen arbeiten, manche dürfen nicht arbeiten, manche dürfen arbeiten, aber nicht zu viel verdienen, weil sie dann nicht mehr in der Grundversorgung leben dürfen. Wenn sie aber dann mit diesem Verdienst sich keine Wohnung leisten können, dann ist es eigentlich ein Hemmnis. Dann sagen Sie Okay, ich kann nur so viel arbeiten, ich darf nicht mehr verdienen. Dann würde ich über diese Zuverdienstgrenze, so wird das genannt, in der Grundversorgung darüber hinaus verdienen. Dann verliere ich diesen Wohnplatz. Ich verdiene zu wenig Geld, dass ich mir eine eigene Wohnung leisten kann. Mit meinen Kindern. Was tue ich jetzt? Und das ist das, was wirklich absolut katastrophal ist. Früher, ganz früher, als der Österreichische Integrationsfonds in meinen Augen noch Sinn hatte. Mittlerweile hat er keinen, weil er ja Deutschkurse und Prüfungen erfindet. Dafür gäbe es ein Bildungsministerium. Dafür gibt es Erwachsenenbildung. Der Politiker macht er, Aber früher hat er ja auch noch Wohnungen vermittelt, so in den zwei tausend er Jahren. Da war es meines Erachtens noch super. Der Österreichische Integrationsfonds setzt dort Angebote, wo es die größten Probleme gibt, nämlich findet man leistbaren Wohnraum für Menschen, die definitiv die Möglichkeit haben, hier in Österreich bleiben zu dürfen, weil sie asylberechtigt sind, weil sie subsidiär schutzberechtigt sind. Weil das ist das Riesenthema. Wo, wo kann ich wohnen, wo kann ich es mir leisten? Ihr kennt ja auch das kennen wir alle, diese diese wilden Geschichten der Schimmel Hütten irgendwo am Gürtel, wo die Leute dann aus der Not heraus Wohnungen anmieten, weil sie sich die leisten können, aber die den katastrophalen Zustand sind. Also da ist etwas, das die Integration der Menschen massiv erschwert. Wohnraum zu finden und wie wir, glaube ich, alle wissen es im Integrationshaus. Es ist schon sehr schön hier. Ja, aber wer möchte, Wer wäre wohl freiwillig gerne in einer. In einer Wohnung, in einem Flüchtlingsheim? Ja, es ist schon viel passiert. Früher gab es auch nicht einmal das. Und ich weiß von der Johanna, die bei uns im Vorstand ist, die eine der ersten Bewohnerinnen war im Integrationshaus, die fünf und neunzig eingezogen ist. Für die war das schon wahnsinnig super. Eine kleine Wohneinheit zu haben mit einem Schlüssel, wo sie hinter sich die Tür zu sperren kann und nicht ständig irgendwer in ihre in ihre Privatsphäre rein und rausgehen kann. Das bieten wir natürlich, aber das ist definitiv etwas, was nur interimistisch sein soll. Und das da sehe ich momentan, also das ist sehr schwierig, Wohnraum zu finden. Es ist auch nach wie vor sehr schwierig, auch wenn schon viel passiert ist, ausländische Ausbildungen anerkennen zu lassen. Da hat sich schon einiges getan. Das war sicher vor dreißig, vor zwanzig Jahren noch viel schwieriger. Aber da gibt es noch sehr viel zu tun. Dass hier Menschen, die auch mit vielleicht die ihre Ausbildungen mehr informell haben, weil es halt in dem Herkunftsland ein anderes Bildungssystem gibt, dass man hier die Möglichkeit schafft Zeig, was du kannst. Da gab es schon früher auch so Projekte und dann hat es sich als Abschluss nachholen kann, weil in Österreich geht halt ohne ohne ein Blatt Papier, wo ein Stempel drauf ist. Du bist befähigt, das zu machen und das zu machen. Hat man ja in Österreich nicht. Also es ist extrem wichtig, die Bürokratie. Da könnte man auch einiges machen, wo ich das Gefühl habe, das wäre für die Menschen und für ihr Ankommen und sich integrieren, das heißt sich integrieren. Da brauche ich ja zwei dazu. Da brauche ich eine Gesellschaft, die sagt der Mensch ist angekommen. Wo ist meine Nachbarin geworden, mein Nachbar geworden? Was möchten die Menschen? Ich möchte ein Dach über dem Kopf haben. Ich möchte eine Wertschätzung bekommen, indem ich arbeite und meine Arbeit wertgeschätzt wird. Auch monetär wertgeschätzt wird, dass ich natürlich auch dafür das Geld bekomme, damit ich arbeiten und leben kann. Ich will, dass meine Kinder eine gute Ausbildung bekommen, dass es ihnen besser geht wie mir. Das wollen, glaube ich alle Eltern, dass es ihren Kindern besser geht wie mir. Nichts anderes wollen Menschen, die hier zuwandern. Und dass die meisten Menschen ihre Heimatländer verlassen haben, weil es dort unmöglich ist zu leben und nicht, weil sie glauben, dass es in Österreich so leiwand ist. Das wissen wir auch meistens. Also die Menschen sind nicht aus Syrien gekommen, weil es in Österreich so schön ist, sondern weil es unmöglich war, in Syrien zu leben. Und Afghanen sind kommen auch nicht nach Österreich, weil hier das Schlaraffenland ist, sondern weil Frauen in Afghanistan einfach definitiv nicht leben können. Und das ist ja klar. Also die wenigsten. Also wenn man jetzt auch diese ganze meinte Lukas sagt ja, dass der Herr Lukas sagte, dass er immer wieder die ganze Face Kommunikation vom Innenministerium mehr Abschiebungen als ankommen. Also wenn der größte Teil der Abschiebungen EU Bürger betrifft, weil sie kriminell geworden sind und in ihre Länder zurück abgeschoben wird, dann verwechselt man hier. Also da werden Statistiken miteinander vermischt und einfach medial Verwendet, um hier rechten oder rechtsgerichteten Parteien Wähler zuzuführen. Und das finde ich halt sehr traurig, weil das hat nur die Wirkung, dass Menschen, die sich massiv anstrengen, als integrierte Menschen wahrgenommen zu werden, nicht als solche wahrgenommen werden.

00:19:46: Brenda: Ich finde es immer sehr spannend, über Integration mit Menschen zu sprechen, die vielleicht nicht so aufgeschlossen gegenüber sind und mal ein bisschen erzählen, was man so erlebt. Und ich waren aktiv in Traiskirchen zwei tausend fünfzehn und haben dort ein paar Leute aus dem Irak kennengelernt. Und die haben es wirklich probiert, sich zu integrieren und zu lernen, wie Österreich so funktioniert. Aber es ist an ganz grundlegenden Dingen gescheitert. Zum Beispiel wurden wir gefragt, wie wir Männer und Frauen unterscheiden, weil bei ihnen im Irak werden Männer und Frauen verschieden, das durchaus Männer Bärte tragen. Und das waren so, ja, das waren so und wir haben dann wirklich so ein Facebookspiel gemacht mit. Rate mal! Aber, und das war eigentlich das, was, was von der Politik und vom Staat verlangt wird, von den Menschen, dass sie Deutsch lernen, dass sie irgendwie arbeiten gehen und dass sie all diese bürokratischen Dinge können. Das ist ja schon viel, viel weiter als dort, wo die Menschen eigentlich gerne hin möchten, nämlich in einer Gesellschaft zu sein und das zu verstehen, wie wir eigentlich so leben.

00:20:44: Martin: Und was habt ihr dann gemacht? Oder war das jetzt die Frage?

00:20:48: Brenda: Es war eine Frage an dich, wie du das siehst. Aber Integration beginnt damit, dass man lernt, was Zuverdienstgrenzen sind und welche Migrationsstatus man haben kann und was es bedeutet oder wo das eigentlich beginnt und wie man damit umgehen müsste.

00:21:04: Martin: Es beginnt natürlich mit der Begegnung, das ist schon ganz klar. Und ich für mich war ist halt, warum ich über die anderen Dinge vorher gesprochen haben. Wenn ich keine Existenzsicherung habe, kann ich nicht einmal den Gedanken hegen, mich integrieren zu wollen, weil ich eine Gesellschaft wahrnehme, die mich nicht will. Und da kommen wir zur Begegnung. Also wenn ich ausschließlich Abweisung erfahre, was soll ich dann eigentlich hier? Und da kommen wir zu dem, was vielleicht das Integrationshaus in dem Zusammenhang auch von Anfang an macht. Wir arbeiten von Anfang an mit freiwilligen, ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die uns dabei bei dem unterstützen, was wir nicht durch Angebote selber produzieren können, nämlich mit Menschen Menschen begegnen zu können, mit Menschen in Kontakt treten zu können, die nicht hauptberuflich hier als Sozialarbeiterin, als Trainerin, als Pädagogin oder als Psychologin arbeiten. Weil das ist ja sozusagen, wir sind ja so lange Menschen fremd, bis ich sie kenne. Da sind sie mir nicht mehr fremd. Das ist die Grundidee dieses, dieses Ansatzes. Da haben wir sehr lange, das kann man vielleicht zu den Bildern hinter mir, die ja niemand sieht, weil wir ja nur gehört werden und nicht gesehen werden. Hinter mir ist ein Projekt, wo ein paar Bilder übrig geblieben sind, wo wir gemeinsam mit einer mit einem Gymnasium in Wien, mit den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe und mit jugendlichen Teilnehmern bei uns aus Deutschkursen Integration künstlerisch versucht haben darzustellen. Also ganz kurz erklärt jeder jede mit einer. Mit einer Kunstlehrerin haben wir da gearbeitet. Jede, jeder Teilnehmer hat einmal eine eigene Leinwand bekommen und hatte irgendwas gemalt, was ihm gerade eingefallen ist. Und dann haben sie Paare gebildet, also immer Schülerinnen und Schüler und Schülerinnen und Schüler von mir, von einem Kurs. Und sie haben eine dritte Leinwand bekommen zwischen den beiden Bildern, mit dem Auftrag, diese dritte Leinwand so zu bemalen, dass irgendwie ihre eigenen Bilder einen Übergang finden, dass dann alle drei Bilder untereinander ein gemeinsames Gemälde ergeben. Und das dritte Bild in der Mitte, sozusagen die Leinwand in der Mitte ist eigentlich dann die, die Symbolisierung von sich begegnen und gemeinsam etwas Neues werden. Und das ist sozusagen die Verbildlichung von Integration. Wenn sich zwei Menschen zusammensetzen, passiert etwas Neues, es entsteht etwas Neues. Das wäre in dem Fall die dritte Leinwand, die da etwas Gemeinsames zeigt. Das wäre vielleicht das was Wo? Also vielleicht das ist das, was sonst bei Menschen passiert, wenn sie sich kennenlernen und sich nicht mehr fremd sind. Weil dann habe ich ein Gegenüber, dem ich das fragen kann, wo ich. Es sind auch spannende Dinge entstanden. Also ich bin oft mit der Frage konfrontiert worden wieso gibt es in Österreich Menschen, die Hunde lieber haben als andere Menschen? Weil sie diese Hunde mit ins Bett nehmen, weil sie diese Hunde herumtragen und mit den Hunden reden und mit anderen Menschen nicht so gern. Also das haben sich viele Menschen, die zuwandern können sich das nicht vorstellen. Wie halt viele Österreicherinnen und Österreicher mit Haustieren interagieren. Ja, ich habe zum Beispiel keinen Hund. Ich kann sagen, ich weiß eigentlich nicht warum. Ich mag keinen Hund in meinem Bett haben. Aber so sind wir halt auch alle unterschiedlich. Und andere Menschen haben das gern. Man hat ja oft keine Antwort auf diese Fragen. Man kann nur seine eigene Meinung kundtun und das ist ja Sinn der Übung. Wie individuell halt jeder. Die Menschen sind ja so und das haben wir so versucht. Immer. Wir haben das Tandem Projekte genannt, interkulturelle Tandems oder transkulturelle Tandems. So glaube ich, kann man sich das vorstellen. Da arbeiten wir sehr viel mit ehrenamtlichen Leuten, mit Freiwilligen, die aus diesem Interesse Menschen, die zuwandern, auch kennenlernen zu können. In einem, aber in einem Rahmen und nicht so wie ich per Zufall die dann bei uns andocken. Das ist auch das, was ich ganz zum Schluss sagen darf. Da suchen wir laufend freiwillige Kolleginnen, also freiwillige Mitarbeiterinnen, die sich hier uns ihre Zeit spenden. Es gibt auch Menschen, die würden uns gern was spenden, haben aber selber nicht viel Geld. Geld brauchen wir natürlich auch. Wir brauchen auch Zeit. Und die Zeitspende wäre so etwas, wo ich dann mit Jugendlichen oder mit Erwachsenen Zeit verbringe, spazieren gehe, Deutsch rede. Aber auch andere Dinge macht, zum Beispiel auf Kinder aufpasst, dass die Mutter in Ruhe einmal einkaufen gehen kann, zum Beispiel. Oder nur spazieren gehen kann ohne ihre Kinder.

00:25:45: Brenda: Ich stelle mal die zweite große Frage und die ist Was kann man von dir lernen? Jetzt haben wir schon sehr viel von dir gelernt. Ich finde es immer spannend, wenn man miterleben darf, wie andere Menschen auch über Menschen sprechen und wie man miteinander umgehen kann. Ich finde das immer eine sehr beeindruckende Fähigkeit, dass man auf andere Menschen eingehen kann und lernen kann, wie man auch Brücken baut miteinander. Aber wir würden gerne von dir wissen, was du glaubst, was man von dir noch lernen kann.

00:26:12: Martin: Vielleicht kann man von mir lernen, dass ich sehr offen auf alle Menschen zugehe und versuche, so vorurteilsfrei wie möglich zu agieren und mich selber immer wieder ertappt dabei, dass ich es nicht bin. Also diese. Ob das jetzt zu hoch gegriffen ist? Ich habe im Zuge meiner Arbeit wahnsinnig viel gelernt, nämlich vor allem eines gelernt dass das eigene Handeln regelmäßig zu reflektieren und zu hinterfragen, natürlich auch viel mit Unterstützung, Supervision gehen. Also das ist auch etwas. Also vielleicht kann man von mir lernen, dass man, dass jeder Mensch, dass es jedem Menschen gut tut, wenn er in der Reflexion begleitet wird. Ich komme aus einer Familie, wo es vor allem mütterlicherseits wahnsinnig viele Geschwister gibt, von meiner Mutter, die wiederum ja dann geheiratet haben und selber Kinder haben. Also ich glaube, sechs und dreißig Enkelkinder hatte meine Großmutter. Da sind viele dabei, die völlig irritiert waren, wie ich einmal erzählt habe, dass ich regelmäßig in Supervision gehe, so als psychisches Problem. Du brauchst Hilfe. Bist du krank? Sage ich Nein, ich brauche das, damit ich meine Arbeit gut machen kann. Weil ich mit so vielen Menschen zu tun habe und dann immer wieder so viel Blödsinn mache. Und dann brauche ich schon noch ein Gegenüber professionell, das mir zuhört. Ich brauche nicht diese auch. Ich brauche auch die Gespräche bei einem Bier mit Freunden und ein bisschen Druck rauslassen. Wieder mit Leute heute zu tun gehabt. Oh mein Gott und ich bin da. Aber ich habe auch die Supervision. Ein professionelles Gegenüber, das das, das man fragen kann, wenn man ansteht. Und es ist ja nicht nur so, dass ich also früher nur mit Klientinnen gearbeitet habe, Man arbeitet auch im sozialen Umfeld. Man erfährt so viele Geschichten, die so unglaublich sind, wo man sich denkt Wahnsinn. Und die Leute sind immer noch da und sitzen mir gegenüber und versuchen jetzt, Deutsch zu lernen. Und eigentlich haben sie so eine Vergangenheit, wo ich nicht weiß, ob ich da überhaupt noch Lust hätte, irgendwas zu tun? Vielleicht kann man von mir lernen. Supervision, professionelle Begleitung und Unterstützung in der sozialen Arbeit ist ist absolut notwendig. Kein Mensch kann das alleine machen, ohne Unterstützung. Das kann man vielleicht lernen, dass das völlig okay ist, in eine Therapie zu gehen, in eine Supervision zu gehen.

00:28:35: Christiane: Was hat dich eigentlich vor über fünf und zwanzig Jahren dazu gebracht, beim Integrationshaus anzufangen? Weil du warst eben zuerst Lehrer, wie du auch schon erzählt hast.

00:28:43: Martin: Nein, eigentlich nicht. Ich war noch Student, also ich habe, bevor ich begonnen habe, also die Arbeit an sich, also Geld verdienen. Ich habe acht und neunzig, bin ich das erste Mal Vater geworden und habe dann sofort den Zivildienst begonnen, weil ich mir dachte okay, billiger wird das Leben nimmer. Ich muss jetzt das Jahr geschwind machen, um dann irgendwie habe ich immer noch studiert war, dann hat dann natürlich noch länger gedauert, weil Zivildienst mache. Ich musste nur mehr die Diplomarbeit schreiben, nur mehr. Und das hat dann zwei Jahre gedauert, weil dann nach dem Zivildienst, da hat man damals schon als verheirateter junger Vater relativ viel Geld verdient, war ich kurz vor der Situation. Ich brauche jetzt einen Job, wo ich zumindest annähernd so viel verdienen wie während des Zivildienst. Klingt absurd, war aber so. Und dann hat er eine Studienkollegin, die Nina mich gefragt, ob ich Interesse habe, im EOS anzufangen, weil ihnen ist kurzfristig eine Trainerin abgesprungen und wir haben da Kurse für Asylberechtigte in Ebersdorf, die das Integrationshaus macht. Sage ich ja voll super, total gern und habe dann am erste November, also am zweite November, begonnen. Und so bin ich ins Integrationshaus gekommen und ich habe erst während des Integrationshauses mein Studium abgeschlossen, habe dann parallel zum Integrationshaus ein Jahr lang auch an zwei Schulen unterrichtet, am Vormittag und an den Schulen und am Nachmittag ins Haus. Habe dann dort unterrichtet und am Abend auch unterrichtet. Und um acht war ich wieder in der Schule. Und da war klar Die Arbeit im Integrationshaus ist viel lässiger als die Arbeit an einer Schule. Das hat ein bisschen was zu tun, was ich am Anfang gesagt habe dass ich mich nur deshalb beworben habe, weil ich keine andere Chefin wie meine damalige Chefin haben wollte. Im Integrationshaus konnte ich dann mit Andrea am Abend noch bei ihr im Büro sitzen und sagen Hey, wir bräuchten so ein Angebot und dieses Angebot. Und ich würde gerne ausprobieren und so was ausprobieren. Und die Andrea gesagt Ja, cool, cool machen wir. Manchmal setzt man um und in der Schule wollte ich mit meinen Schülerinnen damals ins Kino gehen, zu einem preisgekrönten Film mit dem Namen Fickende Fische. Und ich durfte nicht, weil der Film fickende Fische heißt. Und das war so absurd. Ich bin zwei Wochen später in den gleichen Film gegangen, habe behauptet, er heißt Fliegende Fische und der durfte ich ja. Und allein diese Absurdität, in diesem Schulbereich zu arbeiten, im Unterschied zu der Möglichkeit im Integrationshaus, was für mich völlig klar, dass ich da bleiben will und auch schon immer das Gefühl, ich habe dann später halt ehemalige Teilnehmerinnen auf der Straße getroffen, die dann sich bei mir bedankt haben, weil das Deutschlernen mit mir so lustvoll war. Und sie haben jetzt Kinder bekommen oder beruflich Fuß fassen können. Also schon auch diese sichtbaren Ergebnisse der eigenen Arbeit und Menschen einfach unterstützen zu können, ein Stück des Weges begleiten zu können, das ist schon ziemlich lässig. Ja, auch wenn die Integrationspolitik und diese Fremdenfeindlichkeit einen extrem zermürben, tagtäglich. Diese kleinen Erfolge, die man dann in der Arbeit hat, machen das wieder wett.

00:31:54: Brenda: Du hast ja ganz viel mit den Menschen zu tun und ich finde es auch total schön zuzuhören, nämlich über das, was ihr macht und auch den Zugang zu den Menschen, und das ist wichtig, ist auch mit den Problemen der Menschen selber umzugehen zu müssen, weil es ist ja auch irgendwie wieder abgeladen bei einem. Und dann sieht man im Fernsehen, wie Ministerinnen und Minister sagen alles geht nicht und ist blöd und alles ist schlecht. Und bitte geht nach Hause. Wie geht ihr damit um? Oder gehst du damit um, nämlich genau das zu verarbeiten? Ich würde so gerne mal erklären, was wirklich das Thema ist und wie viel man im Fernseher reinschreiben.

00:32:28: Martin: Ich schreie Fernseher rein, aber nicht nur. Also was wir schon, was ich schon versuche. Wir haben in Wien schon eine sehr starke Community. Wir haben den Dachverband Soziale Einrichtungen, der von der Sandra Frauenberger ist dort Geschäftsführerin, die ja früher Politikerin war, die auch für die Magistratsabteilung der Integration in Stadt Wien zuständig war. Und für Frauen. Und mit der haben wir eine sehr tolle Person, die sozusagen das politische Handwerk einfach kennt, weil sie es selber gemacht hat. Und mit der setzen wir uns schon sehr oft zusammen und überlegen mit ihr strategisch, weil auf der großen Bühne. Laut kann man relativ wenig erreichen, weil jede Partei mittlerweile Angst hat, Wenn sie irgendwie ein bisschen ausländerfreundlich agiert oder Geflüchtete willkommen heißen will, verlieren sie ihre Wählerinnen und Wähler. Aber hinter dem Vorhang oder hinter den Kulissen sind es schon grundsätzlich sehr vernünftige Menschen, mit denen man reden kann. Und das machen wir. Also wir versuchen dann, unsere, unsere Meinung oder unsere Haltung sehr wohl auch auszutauschen mit politischen Entscheidungsträgerinnen. Und das geht auch was weiter, so ein bisschen auch mit Lukas da auch einarbeiten kann. Der hat ja auch einen guten Draht und hat auch. Ich habe da die gleiche Haltung wie er. Ich kann schon meine Meinung, meine dezidierte Meinung zu einem Thema haben. Ich bin aber immer gesprächsbereit. Ich rede, auch wenn es sein muss, mit dem Canon oder mit Der Bauer will zwar nicht, aber wenn es sein muss, auch mit denen. Und dass da viel Schaumschlägerei ist und im Endeffekt da was rausposaunt wird, was dann im Endeffekt rechtlich sowieso nicht hält und man es anders machen muss, das wissen wir ja auch. Sei ihnen gegönnt. Sie brauchen halt auch irgendwie ihren Applaus. Aber umsetzen kann man dann schon auch immer wieder vernünftige Dinge. Also es zermürbt mich nicht ganz, weil ich habe schon so viele Auf und ABS erlebt, seit ich im Haus arbeite. Wir hatten schon zweimal eine Regierung mit den Blauen. In den zwei tausend Jahren und es gibt uns immer noch. Wir hatten dann wieder eine Regierung mit den Blauen, wo sie sich ja selber wieder abgeschossen haben, weil sie jedes Mal gemacht haben. Und es gibt uns immer noch. Wir haben letztes Jahr dreißig Jahre Integrationshaus gefeiert, eigentlich gar keine Feier, weil eigentlich war die Idee der Hausgründung. Wir haben immer noch den Begriff Projekt in unserem Namen. Wir zeigen der Republik Österreich, wie man geflüchtete Menschen korrekt betreut. Und dann wird das in die Bundesbetreuung so übernommen und uns braucht es nicht mehr. Das war so ein bisserl die Gründungsidee. Wir machen so ein Pilotprojekt. So soll das funktionieren. Dann wird das von der Regierung aufgenommen in ein Standardprogramm, und dann werden alle neuen Geflüchteten so betreut. Es ist nie passiert. Es gibt es immer noch. Aber das war wurde mir von den Gründerinnen und Gründern auch erklärt. Ich bin erst vier Jahre später eingestiegen. Das war die Grundidee. Es zermürbt mich nicht, weil das war die Frage, wie halte ich das aus? Oder wenn da diese Parolen im Fernsehen, weil ich weiß, dass das viel Schaumschlägerei ist und im Hintergrund kann man anders arbeiten. Und das passiert dann auch. Wir haben Menschenrechte, wir haben ein Grundgesetz. Wir haben ja gesetzliche Rahmenbedingungen, die zum Glück nicht der Politik folgen, wie es der eine oder andere Politiker gerne hätte, sondern die Politik muss dem Recht folgen und ich hoffe, das bleibt auch so!

00:36:02: Christiane: Ich würde da gerne bei. Es gibt schon auch Erfolge einhaken mit unserer dritten großen Milch und Zucker. Frage Und zwar ist das Worauf bist du stolz?

00:36:11: Martin: Ich bin tatsächlich stolz, dass wir seit über dreißig Jahren existiert. Ich bin stolz, dass man immer wieder auch die Expertise des Integrationshauses abfragt, wenn man sich mit dem Thema der Integration, der Aufnahme von Geflüchteten beschäftigt. Ich bin sehr stolz auf die Kolleginnen, die vor allem in der Arbeit der schwer traumatisierten Menschen und der Betreuung von schwer traumatisierten Menschen eine eine wahnsinnig hohe Expertise aufgebaut haben, die tatsächlich auch, glaube ich schon das war der Ausgangspunkt des Integrationshauses in anderen Betreuungseinrichtungen dann eingeflossen ist. Und das ist jetzt wirklich eine sehr gute Betreuung für besonders vulnerable Menschen gibt. Darüber bin ich auch stolz. Ich bin stolz, dass wir letztes Jahr ein recht lässiges Buch produziert haben, anlässlich dreißig Jahre Integrationshaus zum Thema Flüchtende ankommen bleiben, wo wirklich über über zwanzig namhafte Expertinnen zu verschiedenen Themen geschrieben haben. Das Buch ist übrigens käuflich. Kann man kaufen. Auf Ihrer Homepage irrsinnig schönes Cover auch, das hier die Grafikerin gestaltet hat. Worauf bin ich auch stolz? Dass das Haus glaube ich, mit acht oder neun Mitarbeiterinnen begonnen hat. Und mittlerweile sind wir fast zwei hundert und haben aus jedem Bedürfnis der ersten Bewohnerinnen im Endeffekt einen Fachbereich gemacht. Also zuerst sind Leute nur betreut worden. Die haben dann zu den Betreuerinnen gesagt, sie würden gerne Deutsch lernen. Dann hat sich der Fachbereich Bildung daraus entwickelt. Sie wollten Arbeitsmarktberatung, haben, Fachbereich, Beratung daraus entwickelt. Dann gab es in der Schulen Themen. Das haben wir Ausbildungsberatung. Also eigentlich hat sich das Haus aus den Bedürfnissen der Bewohnerinnen zu dem entwickelt, was es jetzt ist. Auch in den Fachbereichen. Also wir haben nie etwas von oben nach unten erfunden, sondern es ist von unten nach oben gewachsen. Da bin ich sehr stolz. Und dass wir nicht jeden, jeder jeder opportunistischen Wendung der Integrationspolitik mitgehen, sondern unserer Haltung immer treu geblieben sind. Die letzten dreißig ein und dreißig Jahre darauf bin ich auch stolz.

00:38:23: Brenda: Ich wollte noch ein bisschen zurückkommen, was du vorhin gesagt hast über die Politik auch und über Ministerinnen mit großem N. In diesem Fall, die viel reden und wenig reden. Also, wir sagen wenig reden. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich vermisse manchmal ein bisschen Pragmatismus in der Politik, weil ich. Ich glaube einfach, wenn wir zum Beispiel von Einrichtungen wie eurer lernen könnten und sagen okay, genau wie euer Grundgedanke war in der Gründung, wäre es pragmatisch, das zu übernehmen und daraus zu lernen und es für alle besser zu machen. Wenn Ministerinnen wie Bauer und Kana sich beschäftigen würden damit, was man lernen könnte und worauf ich stolz zu Recht stolz seid, was würdest du denn gerne mitgeben?

00:39:02: Martin: Was ich dann mitgeben würde ist Hört mehr auf die Expertise der Menschen, die in diesem Bereich tätig sind als wir vorher. Parteiprogramm. Aber das ist ja nicht nur das Haus. Da gibt es ja also die Expertise ist da. Die Menschen, die mit mit geflüchteten Menschen oder mit zugewanderten Menschen arbeiten. Da gibt es ausreichend Expertinnen, die auch hier, sagen wir mal was weiß. Gestern war der Kopf, glaube ich, oder in der Pressestunde ja gesagt hat. Es wird. Irgendwann wird der Pragmatismus, die Ideologie noch schlagen, wo es um das Thema Fachkräftemangel und zu wenig Menschen am Arbeitsplatz für Tätigkeiten wie in der Pflege oder so stehen. Das wäre halt schön, wenn man das. Du hast das Wort Pragmatismus genannt. Also. Ja. Es gibt ausreichend qualifizierte Menschen unter den Zugewanderten für die Bereiche, wo wir Arbeitskräftemangel haben. Man könnte sie dort arbeiten lassen. Man muss nicht die Leute, die hier sind, abschieben in ihre Heimatländer und um viel Geld Leute aus anderen Ländern einfliegen lassen, damit sie die Tätigkeit machen, die die Leute, die schon hier wären, machen könnten. Also da fehlt mir wirklich. Das ist absurd. Ja, und mit dem Argument, das wäre ein wie ein Pullfaktor glaubt, glauben die Ministerinnen tatsächlich, dass Österreich so weltbekannt ist, dass man glaubt, die Jugendlichen, die ich vor fünfzehn zwanzig Jahren hier deutsch unterrichtet habe, die haben erst, nachdem sie von der FPÖ, also von der Fremdenpolizei aufgegriffen wurden, das erste Mal erfahren, dass es ein Land gibt, das Österreich heißt. Die wollten nach Schweden, die wollten nach Deutschland. Aber dass es Österreich gibt. So ist das nicht. Deutschland. Also ich glaube, da wird auch der, glaubt man sich zu wichtig als Land. Also ich würde da viel mehr schauen. Wir haben wahnsinnig viele Ressourcen hier. Von den Menschen, die hier sind. Bitte nicht die Leute hier abschieben, sondern die Leute dabei unterstützen, dass sie gut Fuß fassen können. Das fände ich toll. Und sich in einem Integrationspflicht also ein Integrationsgesetz, jetzt neuerlich Integrationspflichtgesetz zu nennen und sich hauptsächlich Sanktionen zu überlegen, anstatt dass man sich sinnvolle Angebote überlegt, anstatt dass man endlich mal schreibt in das Regierungsprogramm rein. Integration ab Tag eins. Es gibt keine einzige Maßnahme, die umgesetzt wurde. Wir alle, die hier Maßnahmen anbieten für Menschen, die zugewandert sind, machen spendenfinanziert. Aber es steht im Regierungsprogramm und das sollte die Integrationsministerin umsetzen, nicht sich Sanktionen zu überlegen, wenn Leute ein Angebot nicht wahrnehmen, dass es halt blöderweise nicht gibt, weil sie das Angebot nicht umsetzt. Das würde ich gerne mitgeben. Machen wir ein Angebot. Und dann überlegen wir uns Was wären Sanktionen, wenn das Angebot nicht wahrgenommen wird? Und eine Statistik zu bringen, wie viele Dropouts es gibt, ohne die Argumente zu sammeln. Warum? Ja, wenn eine Frau ein Kind kriegt, dann kann sie nicht mehr in den Kurs gehen. Ist ein negatives Dropout und das am Tisch zu legen ist immer so völlig unhinterfragt. Das nervt mich. Und da keiner, der halt die eine Statistik mit der anderen vermischt und dann sagt es ist alles jetzt, er ist der Tollste. Und vorher war der kurz die Balkanroute geschlossen und der hat dann die illegalen Pushbacks, Menschen, die er da unterstützt mit der Balkanroute. Kein Mensch hat die Balkanroute geschlossen. Es wird einfach illegal die Grenze geschützt von Menschen, vor denen man sich nicht schützen müsste. Das würde ich den Leuten gerne dann schon mitgeben. Ja, machen wir halt was, was den Menschenrechten gerecht wird. Und verwenden wir nicht sinnlos die Zeit, darüber zu diskutieren, wie man Menschenrechte aushöhlen kann? Da komme ich mir echt vor. Wie wie? Musil hat das geschrieben beim Mann ohne Eigenschaften. Alle Bürger haben die gleichen Rechte, aber nicht alle sind Bürger. Ja, also woher ich dann auch Für die eine Gruppe gelten die Menschenrechte dann nicht und dann wissen wir, worin das endet. Das hat uns ja die NSDAP gezeigt, wie es dann weitergeht. Und da stehen wir, glaube ich und das das nervt mich. Warum muss ich das machen? Als Österreichische Volkspartei sehe ich da federführend. Die ist in der Regierung. Die FPÖ ist nicht in der Regierung. Und wenn sie in die Regierung kommt, dann wahrscheinlich nur vorübergehend.

00:43:24: Brenda: Ich stelle jetzt mal die vierte Große mit Milch und Zucker. Frage Und die ist Reißen wir in die Zukunft? Es sind fünf Jahre vergangen, in das Jahr zwei tausend ein und dreißig. Wenn du auf die letzten fünf Jahre zurückblickst, was ist dann im besten Fall in deinem Leben passiert?

00:43:37: Martin: Dann bin ich vielleicht schon Großvater. Ja. Cool. Aber jetzt im beruflichen Kontext. Da gibt es vielleicht tolle Maßnahmen im Rahmen von Integration ab Tag eins. Es gibt ein funktionierendes System, das es endlich das gibt, was die ganze Welt brauchen würde, nämlich legale Fluchtmöglichkeiten. Dass kein Mensch, der in seinem Herkunftsland um sein Leben trachten muss, sich auf eine extrem lebensgefährliche Reise machen muss, sondern ganz selbstverständlich in einem sicheren Land Aufnahme findet, das ist wahr. Aber in fünf Jahren. Aber wenn ich also wenn ich mir da was in der Zukunft wünschen würde, das würde ich mir wirklich wünschen, dass Menschen legale Möglichkeiten bekommen, vor Bedrohungen zu flüchten und in Sicherheit aufgenommen zu werden. Das wäre, das bräuchten wir, bräuchten wir nicht die die ertrunkenen Menschen im Mittelmeer. Dann bräuchten wir nicht über illegale Pushbacks an verschiedensten Grenzen Griechenland oder Bosnien reden. Es wäre total einfach. Ich habe mich auch damals, als am siebte Oktober die Hamas hier diese schrecklichen Übergriffe nach Israel gemacht haben und dann diesen Krieg, der ja eh nie nicht da war, massiv angefochten. Haben mich total gewundert, warum hier nicht sofort die EU gesagt hat, alle bedrohten Kinder und Jugendlichen im Gazastreifen werden sofort aufgenommen. Nein, das Gegenteil ist passiert. Man hat die Leute eingesperrt in den Gazastreifen, niemand durfte raus. Also das wäre doch in meiner Wahrnehmung das Selbstverständlichste gewesen, das sofort hätte passieren müssen. Frauen und Kinder kriegen unmittelbar, werden abgeholt von Militärhubschraubern, wie auch immer das und und werden in Sicherheit gebracht. Fertig. Brauchen wir nicht. Diskutieren ist nicht gemacht worden. Also das wäre das, was ich mir wünschen würde. In fünf Jahren diese Resettlementprogramme, diese humanitären Aufenthalt, Programme, dass das umgesetzt wird. Das steht auf dem Papier, das wird von UNHCR gefordert. Das ist irgendwie das Logischste, was man tun müsste. Wenn es die eigene Familie wäre, würde man nicht zögern und sich sofort auf den Weg machen und alle Hebel in Bewegung setzen, dass die rauskommt aus diesen bedrohten Gebieten. Und völlig egal ob Palästinenser oder Israelis. Also auch da ist es ja so ganz arg. Übrigens einer meiner Lieblingsmusiker ist Israeli und möchte mit der Politik nichts zu tun haben, weil er das so schrecklich findet, auf das reduziert zu werden. Ein deutscher Sänger wegen der AfD ist jetzt auch kein Nazi, nur weil er vielleicht aus Sachsen Anhalt kommt, wenn er sich nicht aussuchen konnte, dort geboren zu sein. Nein, aber das, also das sind die fünf Jahre, das würde ich mir wünschen. Und dass das natürlich weiterhin besteht, dass wir unsere Expertise unter die Menschen bringen dürfen, dass Leute bei uns Angebote besuchen können, die sie dabei unterstützen, gut Fuß fassen zu können. In Österreich das schon. Weil ich habe ja doch noch Ich bin ja, ich habe ja noch fünfzehn Jahre bis zur Pension, noch dreizehn Jahre bis zur Pension, so lang oder vielleicht sogar länger. Aber das wäre also das Wichtigste wäre eigentlich diese legalen Fluchtmöglichkeiten. Und da arbeitet man. Die einzige legale Fluchtmöglichkeit, die es gibt, ist die Familienzusammenführung. Und die ist ja gestoppt.

00:47:02: Christiane: Das ist ja vor allem gemeint. Die ursprüngliche Idee vom Integrationshaus war ja, dass es irgendwann einmal nicht mehr gebraucht wird. Was wären so Namensideen? Sagen wir mal in den nächsten fünf Jahren oder auch nach den nächsten fünf Jahren, Dass das Integrationshaus so nicht mehr gebraucht wird, unter Anführungszeichen aber weiterbestehen kann?

00:47:23: Martin: Ja, ich glaube mittlerweile, dass es das immer brauchen wird. Also das war ja wie gesagt, der Anfangsgedanke schon lange weg. Den Namen darf man das? Frag mich nicht nach meinem Namen, wie wir heißen, weil das ist ein Thema. Natürlich, das ist intern auch ein Thema, wie wir heißen, weil natürlich der Begriff der Integration halt sehr stark, immer fokussiert auf dieses. Da gibt es die eine Kultur und die andere Kultur. Das wissen wir ja schon lange, dass das dieses Herdersche Kugelmodell, glaube ich war das einmal, diese zwei Kugeln. Aber nehmen wir den Begriff Inklusion. Nennen wir uns Inklusionshaus. Das ist Inklusion, denke ich, viel stärker an, an, an, an die Arbeit mit Menschen, mit Handicap, dass es hier endlich mal eine, eine gesellschaftliche Normalität wird. Dann vergisst man aber zugewanderte Menschen oder zugewanderte Menschen mit Menschen mit Handicap gleich. Also das ist ja auch falsch für beide Gruppen Menschen. Ja. Das Haus könnten wir uns vielleicht einfach nennen, das wäre das Einfachste. Also ich hatte diese Diskussion aus dem Bildungsbereich schon zum Thema Deutsch als Zweitsprache. Für viele Menschen ist Deutsch selbstverständlich nicht die Zweitsprache, sondern die dritte, vierte fünfte, sechste siebte Und da war mal vorübergehend eine Lösung, einfach zu sagen Deutsch als Sprache in einem mitgebrachten Mehrsprachigkeitskonzept als eine der Sprachen hat fertig. Ja, also wäre auch eine Möglichkeit. Und dann wäre das das Haus, das meine Mitarbeiterinnen hören. Dann werden Sie natürlich tun, nehme ich an, Aber es ist. Es ist ja kein Geheimnis. Wir diskutieren natürlich genau diesen Begriff schon sehr, sehr lange und in dem Zusammenhang auch unser Logo.

00:49:04: Brenda: Ich wollte zum Abschluss noch, weil das ist ja schon zweimal angesprochen, das Thema Integration ab Tag eins und ich finde das immer so ein sperriger Überschrift für Menschen, die nicht in dem Bereich tätig sind oder die nicht mit dem mit den Themen umgehen, Kannst du vielleicht kurz sagen, was es aus deiner und eurer Sicht brauchen würde für eine wirkliche gute Integration ab Tag eins Schrägstrich Alle Politikerinnen, die jetzt zuhören, mitschreiben.

00:49:27: Martin: Und schreiben Es.

00:49:28: Brenda: Gibt einen Test.

00:49:30: Martin: Es ist relativ einfach. Die Menschen kommen nach Österreich. Irgendwann wird entschieden, dass sie zum Verfahren zugelassen werden. Dann kommen sie in die Landesgrundversorgung. Sind es ein paar fixe Begriffe gewesen? Also sobald jetzt die Menschen wissen, sie dürfen in Wien leben, bis das Verfahren beendet ist, dann haben sie eigentlich bis dorthin von dem klassischen Angebot, das der Österreichische Integrationsfonds bietet, kein Angebot, weil sie ja noch im Asylverfahren sind, weil sie möglicherweise nicht zur sogenannten Gruppe der Menschen mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit. Das wird irgendwo definiert. Also kurz Sie haben keine Möglichkeit, einen kostenlosen Deutschkurs zu besuchen. Und dann warten Sie drei Monate, vier Monate, fünf Monate, sechs Monate, acht Monate, zwölf Monate, fünfzehn Monate. Keine Ahnung. Kommt davon ab, wie Ihr Verfahren ist. Und dann bekommen Sie tatsächlich Asyl. Und dann dürfen Sie in einen Deutschkurs gehen. Und dann wird dort so werden die Arme über den Kopf zusammen, die Hände über den Kopf zusammen geworfen. Ja, jetzt sind sie schon fünfzehn Monate hier. Wieso haben Sie nicht schon Deutsch gelernt? Integration ab Tag eins würde heißen Es ist selbstverständlich, dass es hier die Möglichkeit gibt, Deutschkurse zu besuchen. Wenn ich angekommen bin und auch sage Gut, ich bin jetzt einmal. Die Last der extrem gefährlichen Flucht ist einmal halbwegs verdaut, ich kann aktiv werden, ich kann in Aktion treten, dann kann ich auch sofort einen Deutschkurs gehen, weil es ist auch ein Stück Kommunikation ist ein Bedürfnis der Menschen. Ja, aber dann kann er nicht quasi die ganze Zeit den Trainerinnen nichts bezahlen für ihre Arbeit, weil ich keine Förderung bekomme. Die Menschen leben ja auch davon. Die hier Deutsch unterrichten ist ein Beruf. Ja, das heißt, ich brauche jemanden, der zahlt und das sollte der der Staat machen. Das ist die Integration der Geister. Das ist nur ein Punkt. Ein zweiter wichtiger Punkt für Integration ab Tag eins ist auch ein gutes Beratungsangebot. Die Chance auch schon beruflich. Es gibt auch Berufe, dass Deutsch überhaupt nicht relevant. Das hast du vielleicht mit Englisch bemerkt, dass es nicht unbedingt nötig. Ich sage es einfach Irgendeine muss gar nicht stimmen. Du kannst doch nachher alles abstreiten. Du bist nach Österreich gekommen und hast nicht Deutsch gesprochen. Aber Englisch am Arbeitsmarkt hast du dich beworben, Gesagt? Ich würde gerne arbeiten, aber ich kann nicht Deutsch. Ich kann nur Englisch. Könnte sein, dass du gar keine so große Probleme hattest, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen ohne Deutsch. Wenn ich sage, ich kann arabisch, syrisches Arabisch, dann heißt es das Thema Na bitte, kommen Sie wieder, wenn Sie Deutsch auf B2 Niveau können oder C1 Niveau ist egal. Die Menschen, die diese Begriffe des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens verwenden, wissen ja nicht, was dahinter steckt. Ich würde es wissen. Ich kenne aber Deskriptoren, die A1 und A2 unterscheiden. Die Leute, die meistens mit den Begriffen um sich haben, wissen überhaupt nicht, was der Unterschied ist. Es gab einmal so etwas wie das Integrationsjahr, wo man Arbeitspraktika machen konnte, egal wie gut man Deutsch konnte. Wo man Menschen kennenlernt, die hier leben und arbeiten, damit ich weiß, wie Menschen ticken und sind, die hier leben und arbeiten. Also ich kenne, ich kenne wahnsinnig viele Leute, die aus dem ehemaligen Jugoslawien sind, die in den neunziger Jahren gekommen sind, wo es überhaupt kein Angebot gab, die aber gleich arbeiten durften oder relativ rasch arbeiten durften. Die haben halt ganz normal die Sprache gelernt in dem Kontext, wo es für sie normal war, nämlich am Arbeitsplatz. Und da hat keine Firma gesagt Komm wieder, wenn du Deutsch auf dem Niveau XY kannst, dann komm, ich habe genug zu tun, arbeite mit und dann wird das schon, Lernst du schon das Arbeiten, das Sprechen, das wäre also das wären Möglichkeiten zu geben, recht rasch in den Arbeitsmarkt zu gehen, gleich Deutschkurse machen zu können oder eben Basisbildungskurse. Es gibt ja auch Menschen, die hatten aus der aufgrund der Situation in ihrem Herkunftsland keine Chance, in die Schule zu gehen. Da muss man natürlich auch woanders ansetzen. Da unterstützen wir Menschen, dass sie den Pflichtschulabschluss nachholen können, weil es doch in Österreich obwohl es wurscht wäre, aber die meisten Firmen, die Lehrlinge suchen möchten, Leute mit Schulabschluss, obwohl es gesetzlich völlig unnötig wäre, bräuchte man nicht. Aber egal. Also das wären so die Angebote, die es brauchen würde. Das würde ich erwarten.

00:54:06: Christiane: Mit dieser To Do Liste an all die Politikerinnen, die uns zugehört haben, möchte ich das heutige Gespräch beenden. Vielen, vielen Dank schon mal vorab, dass du hier warst. Ich habe schon mitgeschrieben, was wir alles verlinken werden. Man kann sich bei euch melden, als freiwillige Helfer, als freiwillige Helferin. Gibt das Buch bei euch zu kaufen.

00:54:27: Martin: Wir haben auch andere geile Sachen Hauben, Socken und so und man kann auch. Wir haben ja seit Jahresbeginn einen Veranstaltungsraum im Untergeschoss, den wir nach unserem Gründer das Willy benannt haben. Da gibt es ein abwechslungsreiches Programm, das kann man sich auch. Auf der Homepage gibt es das Willy. Homepage. Und wenn man hier Veranstaltungen besucht, unterstützt man uns auch, weil man. Meistens sind das Veranstaltungen gegen Spendeneintritt und die Gastro verdienen wir es ein bisschen was aber ganz wenig. Und man lernt hier natürlich verschiedenste Menschen kennen, die hier Musik, Lesungen, Theater, Impro, Theater war dieses Wochenende zum Beispiel. Das ist ganz ein buntes Programm. Und spenden kann man, Das ist gleich auf der Homepage ganz oben ein großer Button.

00:55:19: Brenda: Dann bleibt mir jetzt noch Danke zu sagen und den schönen Einblick in das, was ihr tut und wie du eure Arbeit siehst und wie du deine Arbeit siehst in dem Bereich. Das finde ich total spannend. Also vielen, vielen Dank. Wir werden uns sicher. Wir haben uns mal. Ich habe dir zugehört bei einer Veranstaltung der Hauptbibliothek und das war extrem spannend. Und was mir da aufgefallen ist, ein wahnsinnig nettes Team. Also ist mir so ich habe dann mit Leuten geplaudert dort und das war alles sehr nett und sehr offen. Und das ist ja nicht immer bei Veranstaltungen deswegen sehr schön gefunden. Und ihr seht mich sicher wieder und ich hoffe, man sieht unsere Hörerinnen und Hörer auch wieder. Also vielen, vielen Dank. Zwei Menschen, die bei der Veranstaltung wo ich war auf der Bühne waren, waren ja auch schon bei uns im Podcast, nämlich die Judith Kollenberger und der Lukas Gerz, über den wir schon gesprochen haben. Heute mehrmals. Also Folgen kann man auch bei uns auf unserem Blog und auf allen gängigen Podcastplattformen nachhören. Und im Blog findet man unter www. Milch und Zucker ab.

Über diesen Podcast

Wir alle kennen Menschen die uns auf die eine oder andere Art beeindrucken. Menschen die eine Geschichte haben die erzählt werden muss. Manchmal ist sie lustig, manchmal traurig oder tragisch. Oft erkennen wir uns in anderen Geschichten wieder oder können etwas daraus lernen. Meistens aber bringen sie uns zum Nachdenken.

Wir wollen Menschen Raum geben, von sich zu erzählen und ihre Geschichte zu teilen.

Und alles beginnt bei Kaffee und Kuchen und mit der Frage:

Mit Milch und Zucker?

von und mit Christiane Hurnaus, Brenda Annerl

Abonnieren

Follow us